Internet-Nutzung vom Mobiltelefon aus: in Deutschland haben im ersten Quartal 2009 mehr als 6 Millionen Handynutzer (gesamt 66 Millionen) auf das Internet zugegriffen. Davon sollen die meisten (86%) große Portale – also u.a. Google – aufsuchen (nielsen.de, Nielsen Mobile Marketview, Q1 2009). Das überrascht freilich nicht; die interessantere Frage wäre: welches sind die Endziele der mobilen Surfer?
Fest steht, auch schon aus früheren Studien, dass Portale für Web-Suche und Email beim mobilen Surfen einen größeren Stellenwert einnehmen als am PC. Und auf wessen Kosten? Ganz klar: die vielen Millionen Einzelangebote im Web werden vom Handynutzer dafür weniger angesteuert. Warum? Das weiß jeder, der öfter per Mobiltelefon im Web unterwegs ist: häufig bleibt er in einer Website, die nicht Handy-geeignet ist, stecken. Die Navigation ist zu umständlich oder zu langsam, jedenfalls kommt er nicht zum Ziel. Dieser Eindruck entsteht, abgesehen von Technik, auch deshalb schnell, weil der mobile Internet-Nutzer weniger Zeit hat, ungeduldiger ist. Seine „Eigenzeit“ tickt schneller.
„The Mobile User Experience Is Miserable“ – ist das Fazit einer Nielsen-Untersuchung in den US und England. Tester mussten bestimmte Aufgaben (z.B. eine Information finden, etwas kaufen oder buchen) lösen, anhand einiger Auswahl-Websites, PC gegen Handy. Die Erfolgsquote lag am PC bei 80% und am Internet-Handy bei 59% – dieser Unterschied, also ein Mißerfolg in einem Viertel der Versuche gibt zunächst pauschal die Unterlegenheit eines mobilen Engerätes gegenüber dem PC wieder. Nielsen gliedert dies in 4 Problembereiche:
- Kleiner Bildschirm
- Umständliche Eingabe
- Lange Ladezeiten
- Nicht-Handy-taugliche Websites „Because websites are typically optimized for desktop usability, they don’t follow the guidelines necessary for usable mobile access.“
Letzterer Erfolgsfaktor, das Handy-gemäße Design, wurde näher untersucht und damit der o.a. Durchschnitt von 59% erhellt. Das Ergebnis: bei Handy-geeigneten Websites betrug der Erfolgsfaktor 64%, bei den „normalen“ Webangeboten („full sites“) nur 53%. Fazit für die Praxis: wer seine Homepage „mobil“ macht (z.B. per Link auf eine Handy-Version), gewinnt rund ein Fünftel mehr Nutzer, d.h. Interessenten, die seine Website nicht nur aufrufen, sondern das Informationsangebot auch voll – und wie vom Site-Inhaber beabsichtigt – verwerten.
Die Erfolgsquoten mit den o.a. Nutzerzahlen in Deutschland ergibt, dass ein Handy-geeignetes Webangebot die echte Zielgruppe (also die Surfer, die das Angebot nicht nur anklicken, sondern verwerten) um mehr als 1 Million Menschen (1/5 der rund 6 Mio.) erweitert.
1 Million – bei 66 Millionen Internet-Handys – klingt vielleicht nicht nach viel. Aber in Zeit immenser Konkurrenz der Webangebote sollte man diese Million nicht verschmähen: einen einfacheren Weg, „weiter vorne“ zu sein, gibt es vermutlich nicht.
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